Wer heute mit KI recherchiert, kennt das Gefühl: Man tippt eine Frage in ChatGPT oder Claude, bekommt eine halbwegs brauchbare Zusammenfassung – und verbringt dann den Rest des Nachmittags damit, alles zu überprüfen, Lücken zu füllen und sich durch endlose Tabs zu wühlen.
Genau dieses Problem hat @the_smart_ape in einem vielbeachteten X-Post aufgegriffen und eine elegante Lösung vorgestellt: den sogenannten Research Skill Graph. Wir waren sofort begeistert, haben die Methode ausprobiert – und möchten unsere Erfahrungen damit hier teilen.
Transparenz-Hinweis: Die Grundidee des Research Skill Graph stammt von @the_smart_ape. Dieser Artikel ist unsere eigene Aufbereitung und Einordnung der Methode, angereichert mit Erklärungen für Einsteiger und unseren praktischen Erfahrungen. Den Original-Post findest du hier.
Warum KI-Recherche oft enttäuscht
Wenn du schon einmal versucht hast, mit einer KI ein komplexes Thema zu recherchieren, hast du wahrscheinlich Folgendes erlebt: Du bekommst eine Antwort, die sich gut anhört, aber im Grunde nur an der Oberfläche kratzt. Es fehlen die Nuancen, die Gegenargumente, die verschiedenen Blickwinkel.
Das liegt nicht daran, dass die KI "dumm" wäre. Es liegt daran, dass wir ihr normalerweise keinen Rahmen geben. Stell dir vor, du heuert eine brillante Praktikantin an – aber sagst ihr nie, wie sie arbeiten soll, welche Quellen vertrauenswürdig sind, oder aus welchen Perspektiven sie ein Thema betrachten soll. Genau das passiert, wenn wir einfach "Recherchiere Thema X" in den Chat tippen.
Der Research Skill Graph ändert das grundlegend. Er gibt der KI ein komplettes Regelwerk an die Hand – eine Art Arbeitsanleitung, die sie Schritt für Schritt durch eine professionelle Recherche führt.
Was ist ein Research Skill Graph – einfach erklärt
Stell dir einen Ordner auf deinem Computer vor. In diesem Ordner liegen rund 20 Textdateien, alle im Markdown-Format (das ist ein einfaches Textformat, das auch von KI-Tools perfekt gelesen werden kann). Jede Datei hat eine bestimmte Aufgabe:
- Eine Datei beschreibt, wie Quellen bewertet werden sollen (ist eine Studie vertrauenswürdiger als ein Blogpost?).
- Eine andere Datei legt fest, wie mit Widersprüchen umgegangen wird (denn die gibt es bei jedem komplexen Thema).
- Sechs Dateien repräsentieren jeweils eine andere "Brille", durch die das Thema betrachtet wird.
- Und eine zentrale Datei – die
index.md– hält alles zusammen und sagt der KI: "Lies all diese Dateien und arbeite nach diesen Regeln."
Der Clou: Die Dateien sind untereinander verknüpft. In Obsidian (einem beliebten Notiz-Tool) nutzt man dafür sogenannte [[Wikilinks]] – also doppelte eckige Klammern wie [[source-evaluation]]. Dadurch entsteht ein Netzwerk aus Wissen, das die KI navigieren kann.
Die sechs Perspektiven: Warum eine Frage sechsmal beantwortet werden muss
Das Herzstück der Methode ist die Idee, dass ein Thema niemals nur eine "richtige" Sichtweise hat. Deshalb wird die KI angewiesen, jede Forschungsfrage durch sechs verschiedene Linsen zu betrachten. Hier eine alltagstaugliche Erklärung jeder Perspektive:
1. Die technisch-faktische Perspektive
Hier geht es um harte Zahlen, Daten und Fakten. Welche Studien gibt es? Was sagen die Statistiken? Wo liegen die messbaren Grenzen? Diese Perspektive ist wie der nüchterne Buchhalter, der nur auf Belege schaut.
2. Die wirtschaftliche Perspektive
Folge dem Geld. Wer profitiert von der aktuellen Situation? Welche finanziellen Anreize treiben Entscheidungen? Diese Perspektive hinterfragt, warum Dinge so sind, wie sie sind – oft steckt ein wirtschaftliches Interesse dahinter.
3. Die historische Perspektive
Geschichte wiederholt sich öfter, als wir denken. Welche Parallelen gibt es zur Vergangenheit? Was wurde schon versucht – und warum hat es funktioniert oder nicht? Diese Perspektive schützt vor dem Glauben, dass alles "neu und einzigartig" sei.
4. Die geopolitische Perspektive
Jedes größere Thema hat eine internationale Dimension. Welche Länder spielen eine Rolle? Welche Machtverhältnisse beeinflussen die Entwicklung? Diese Perspektive zoomt vom Schreibtisch auf die Weltkarte.
5. Die Gegenposition (Contrarian)
Was, wenn die Mehrheitsmeinung falsch liegt? Wer profitiert davon, dass alle in eine Richtung denken? Diese Perspektive spielt bewusst den "Advocatus Diaboli" – nicht um zu provozieren, sondern um blinde Flecken aufzudecken.
6. Die Grundsatz-Perspektive (First Principles)
Vergiss alles, was du zu wissen glaubst. Was sind die absoluten Grundwahrheiten in diesem Bereich? Was kann man daraus ableiten, wenn man komplett von Null anfängt? Diese Perspektive bricht Denkgewohnheiten auf und führt oft zu überraschenden Einsichten.
Warum gerade diese Kombination so wertvoll ist
Das Spannende: Die sechs Perspektiven widersprechen sich häufig. Und genau in dieser Spannung liegt der Erkenntnisgewinn. Ein praktisches Beispiel: Bei der Frage "Warum sinken die Geburtenraten weltweit?" sagt die technisch-faktische Perspektive: "Die Zahlen sind alarmierend." Die Gegenposition hingegen: "Japan hat seit 50 Jahren niedrige Geburtenraten und funktioniert trotzdem." Beides stimmt – und die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Genau solche Nuancen gehen bei einer einfachen KI-Anfrage verloren.
Der praktische Aufbau: Welche Dateien du brauchst
Du brauchst keine Programmier-Kenntnisse und kein teures Tool. Ein einfacher Texteditor reicht – noch besser ist Obsidian, weil es die Verknüpfungen zwischen den Dateien sichtbar macht. Hier ist die Ordnerstruktur, die du anlegen solltest:
research-skill-graph/
├── index.md
├── research-log.md
├── methodology/
│ ├── research-frameworks.md
│ ├── source-evaluation.md
│ ├── synthesis-rules.md
│ └── contradiction-protocol.md
├── lenses/
│ ├── technical.md
│ ├── economic.md
│ ├── historical.md
│ ├── geopolitical.md
│ ├── contrarian.md
│ └── first-principles.md
├── projects/
│ └── (ein Unterordner pro Recherche-Thema)
├── sources/
│ └── source-template.md
└── knowledge/
├── concepts.md
└── data-points.md
20 Dateien. 6 Ordner. Das ist deine gesamte Research-Abteilung.
Die wichtigsten Dateien erklärt
Datei 1: index.md (Die Kommandozentrale)
Diese Datei ist das Herzstück deines Systems. Es ist kein Inhaltsverzeichnis, sondern ein Briefing-Dokument, das der KI sagt, wer du bist, welches System du verwendest und wie sie genau vorgehen soll. Wenn du der KI sagst "Folge den Anweisungen in index.md", weiß sie sofort, was zu tun ist.
# Research Skill Graph — Kommandozentrale
## 1. Mission
Tiefgehendes Recherche-System, das EINE Frage nimmt und eine Multi-Perspektiven-Analyse
produziert, die keine einzelne Google-Suche oder ChatGPT-Anfrage je liefern könnte.
Statt 50 offener Tabs und verstreuter Notizen erzwingt dieses System strukturiertes
Denken durch 6 Recherche-Perspektiven, die jeweils die Frage aus einem grundlegend
anderen Blickwinkel neu durchdenken.
Forschungsfrage: [HIER DEINE FRAGE EINFÜGEN]
Scope: [GRENZEN DEFINIEREN — was gehört dazu, was nicht]
Zeithorizont: [wie weit zurück und voraus schauen wir?]
Output-Ziel: [welche Entscheidung soll diese Recherche informieren?]
## Vorherige Recherchen (optional — für den Compound-Modus)
Prüfe [[research-log]] auf frühere Recherchen, die mit dieser Frage zusammenhängen könnten.
Relevante frühere Projekte: [verlinke verwandte Projekte aus research-log.md, oder leer lassen für Neustart]
## 2. Node Map
Jeder Node unten ist eine Wissensdatei. Lies die relevanten, bevor du eine Aufgabe ausführst.
Die [[Wikilinks]] sind klickbar — folge ihnen.
### Methodik
- [[research-frameworks]] — wie verschiedene Arten von Fragen angehen. Hier starten,
um die richtige Recherche-Struktur zu wählen
- [[source-evaluation]] — Kriterien zur Beurteilung, ob eine Quelle vertrauenswürdig ist.
Stufen-System von Primärdaten bis zu zufälligen Blogposts
- [[synthesis-rules]] — wie Erkenntnisse über Perspektiven hinweg zusammenführen,
ohne Nuancen zu verlieren. Der schwierigste Teil der Recherche
- [[contradiction-protocol]] — was tun, wenn Quellen sich widersprechen.
Hier verstecken sich die echten Erkenntnisse
### Perspektiven (der Kern-Motor)
- [[technical]] — wie funktioniert es mechanisch? Was sagen die Zahlen wirklich?
Narrative ausblenden, nur Daten betrachten
- [[economic]] — folge dem Geld. Wer zahlt, wer profitiert, welche Märkte bewegen sich,
welche Anreize treiben Verhalten
- [[historical]] — welche Muster wiederholen sich? Was wurde schon versucht?
Welchen Kontext vergisst jeder?
- [[geopolitical]] — welche Länder, welche Machtdynamiken, welche Allianzen
und Konflikte prägen das?
- [[contrarian]] — was, wenn der Konsens falsch liegt? Wer profitiert vom
aktuellen Narrativ? Was sagt niemand?
- [[first-principles]] — vergiss alles, was du zu wissen glaubst.
Nur aus Grundwahrheiten heraus neu aufbauen
### Ausgaben
- [[executive-summary]] — die finale Synthese. Max. 500 Wörter.
Was haben wir gelernt, was bedeutet es, was ist noch unbekannt
- [[deep-dive]] — die vollständige Analyse nach Perspektiven geordnet,
mit Querverweisen und hervorgehobenen Widersprüchen
- [[key-players]] — Personen, Organisationen, Länder, die bei diesem Thema am wichtigsten sind
- [[open-questions]] — was wir IMMER NOCH NICHT wissen nach der Recherche.
Oft wertvoller als was wir gefunden haben
### Wissensbasis
- [[concepts]] — Schlüsselbegriffe, Definitionen, mentale Modelle relevant für die Recherche
- [[data-points]] — harte Zahlen, Statistiken, Metriken gesammelt während der Recherche.
Immer mit Quellenangabe
### Quellen
- [[source-template]] — Vorlage zur Aufbereitung von Rohquellen in strukturierte Notizen
## 3. Ausführungsanweisungen
Wenn eine Forschungsfrage gegeben wird:
1. Lies diese Datei vollständig. Verstehe Scope und Ziel
2. Lies [[research-frameworks]] um den richtigen Ansatz für diesen Fragetyp zu wählen
3. Lies [[source-evaluation]] damit du weißt, was als gute Evidenz zählt
4. Für JEDE Perspektive der Reihe nach
(technical → economic → historical → geopolitical → contrarian → first-principles):
a. Lies die Perspektiven-Datei für ihren spezifischen Blickwinkel und Fragen
b. Recherchiere das Thema NUR durch diese Perspektive
c. Dokumentiere Erkenntnisse, Quellen und Konfidenzniveau
d. Notiere alle Widersprüche zu vorherigen Perspektiven
5. Lies [[contradiction-protocol]] — löse Meinungsverschiedenheiten
zwischen Perspektiven auf oder dokumentiere sie
6. Lies [[synthesis-rules]] — führe alles zusammen
7. Erstelle alle 4 Ausgabedateien: [[executive-summary]], [[deep-dive]],
[[key-players]], [[open-questions]]
8. Aktualisiere [[concepts]] und [[data-points]] mit allem Gelernten
KRITISCHE REGEL: Jede Perspektive muss die Frage NEU DURCHDENKEN, nicht nur
weitere Informationen hinzufügen. Die technische Perspektive und die Contrarian-Perspektive
sollten sich anfühlen, als wären sie von zwei verschiedenen Forschern geschrieben,
die einander widersprechen. Diese Spannung ist der Ort, an dem Erkenntnis entsteht.
Die Methodik-Dateien
Diese vier Dateien im Ordner methodology/ definieren die Spielregeln deiner Recherche. Hier ist jede einzelne mit einer kopierfertigen Vorlage:
research-frameworks.md (Wähle deinen Ansatz)
Beschreibt, welche Recherche-Ansätze du je nach Fragetyp wählen solltest. Lies diese Datei VOR jeder Recherche, um die richtige Struktur zu wählen.
# Recherche-Frameworks
Wie verschiedene Arten von Forschungsfragen angehen.
Lies das VOR jeder Recherche, um die richtige Struktur zu wählen.
## Framework-Auswahl
### Typ 1: "Stimmt X?" (Verifizierung)
- Starte mit [[technical]]-Perspektive, um festzustellen, was die Daten wirklich sagen
- Dann [[contrarian]] zum Stresstest der Behauptung
- Dann [[historical]] für Präzedenzfälle
- Am besten für: Faktencheck, Entlarvung, Annahmen validieren
- Beispiel: "Ist Kernfusion bis 2035 realistisch?"
### Typ 2: "Warum passiert X?" (Kausalanalyse)
- Starte mit [[historical]], um die Wurzeln zurückzuverfolgen
- Dann [[economic]], um Anreizstrukturen zu finden
- Dann [[technical]] für Mechanismen
- Dann [[geopolitical]] für systemische Kräfte
- Dann [[contrarian]], um die Kausalkette herauszufordern
- Am besten für: Trends verstehen, Phänomene erklären
- Beispiel: "Warum sinken die Geburtenraten weltweit?"
### Typ 3: "Was passiert, wenn X?" (Szenarioplanung)
- Starte mit [[first-principles]], um Grundannahmen zu etablieren
- Dann [[technical]] für Einschränkungen
- Dann [[economic]] für Anreize
- Dann [[geopolitical]] für Machtdynamiken
- Am besten für: Prognosen, Strategie, Entscheidungsfindung
- Beispiel: "Was passiert mit Europa, wenn die Geburtenraten 30 Jahre unter
dem Ersatzniveau bleiben?"
### Typ 4: "Was soll ich bei X tun?" (Entscheidungsunterstützung)
- Starte mit [[executive-summary]] des vorhandenen Wissens
- Dann alle 6 Perspektiven parallel durchführen
- Optionen nach Perspektiven-Übereinstimmung ranken
(wenn 5/6 Perspektiven in dieselbe Richtung zeigen → hohe Konfidenz)
- Am besten für: Investitionsentscheidungen, Politik, Strategie
## Recherche-Tiefenstufen
### Stufe 1: Quick Scan (30 Min.)
- Maximal 3 Perspektiven
- Nur Top-5-Quellen
- Ziel: Richtungsverständnis, nicht Gewissheit
### Stufe 2: Standard-Recherche (2–3 Stunden)
- Alle 6 Perspektiven
- 15–25 Quellen
- Querverweise zwischen Perspektiven
- Ziel: Informierte Meinung, gestützt durch Evidenz
### Stufe 3: Deep Dive (1–2 Tage)
- Alle 6 Perspektiven mit Unterfragen
- 50+ Quellen inkl. Primärdaten
- Integration von Interviews/Expertenquellen
- Widerspruchsauflösung erforderlich
- Ziel: Veröffentlichungsfähige Analyse, entscheidungstaugliche Intelligenz
## Quellen-Sammelstrategie
Für jede Perspektive:
1. Starte mit der BESTEN einzelnen Quelle (siehe [[source-evaluation]])
2. Finde die Quelle, die #1 am meisten WIDERSPRICHT
3. Finde Primärdaten, die dir erlauben, zwischen beiden zu urteilen
4. Dokumentiere alles in [[data-points]] mit Zuordnung
source-evaluation.md (Vertrauensstufen)
Das ist es, was deine Recherche davor bewahrt, nach dem Garbage-in-garbage-out-Prinzip zu funktionieren. Ein 5-Stufen-System zur Bewertung jeder Quelle.
# Quellenbewertung
Wie beurteilen, ob eine Quelle vertrauenswürdig ist.
Wende das auf JEDE Quelle an, bevor du sie in der Analyse verwendest.
## Quellen-Stufen-System
### Stufe 1: Primärdaten (höchstes Vertrauen)
- Rohdatensätze (UN, Weltbank, nationale Statistikämter)
- Peer-reviewed Studien mit sichtbarer Methodik
- Geschäftsberichte, Regierungsdokumente
- Direkte Messungen und Beobachtungen
- VERWENDEN FÜR: [[data-points]], harte Behauptungen, Grundannahmen
### Stufe 2: Expertenanalyse
- Berichte von fachspezifischen Forschungsinstituten
- Bücher von anerkannten Autoritäten im Fachgebiet
- Investigativer Langform-Journalismus mit zitierten Quellen
- Konferenzpapiere und Working Papers
- VERWENDEN FÜR: Interpretation, Kausalbehauptungen, Framework-Aufbau
### Stufe 3: Informierter Kommentar
- Experten-Blogposts und Newsletter
- Qualitäts-Podcasts mit Fachexperten
- Think-Tank-Berichte (Finanzierungsquellen prüfen)
- Branchenpublikationen
- VERWENDEN FÜR: Blickwinkel, die du nicht bedacht hast, Hypothesengenerierung
### Stufe 4: Allgemeine Medien
- Große Nachrichtenagenturen
- Wikipedia (gut für Überblick, niemals für finale Behauptungen)
- Populärwissenschaftliches Schreiben
- VERWENDEN FÜR: Nur zur ersten Orientierung. Immer upstream verifizieren
### Stufe 5: Social/Anekdotisch (geringstes Vertrauen)
- Twitter-Threads, Reddit-Posts
- Persönliche Anekdoten
- Virale Inhalte
- VERWENDEN FÜR: Nur zur Signalerkennung.
"Leute reden über X" ≠ "X ist wahr"
## Rote Flaggen (stufe jede Quelle um 1 herab, wenn vorhanden)
- Keine zitierten Quellen oder Methodik
- Autor hat finanzielles Interesse am Ergebnis
- Veröffentlicht von Organisation mit bekannter Agenda zum Thema
- Cherry-gepickte Zeiträume oder Geografien
- Verwechselt Korrelation mit Kausalität
- Verwendet emotionale Sprache statt Evidenz
## Bewertungs-Checkliste
Für jede Kernbehauptung in deiner Recherche, frage:
1. Welche Stufe hat diese Quelle?
2. Kann ich dieselbe Behauptung in einer Stufe-1- oder Stufe-2-Quelle finden?
3. Wer hat diese Forschung oder Publikation finanziert?
4. Was würde der Autor verlieren, wenn er falsch liegt?
5. Ist das die BESTE verfügbare Evidenz, oder nur die erste, die ich gefunden habe?
Siehe [[contradiction-protocol]] wenn zwei glaubwürdige Quellen sich widersprechen.
synthesis-rules.md (Zusammenführen ohne zu vereinfachen)
Das ist der schwierigste Teil. Die meisten Leute überspringen die Synthese und stapeln einfach Fakten. Diese Datei erzwingt echtes Denken.
# Synthese-Regeln
Wie Erkenntnisse über Perspektiven hinweg zusammenführen, ohne Nuancen zu verlieren.
Das ist der schwierigste Teil der Recherche — die meisten überspringen ihn
und stapeln einfach Fakten.
## Der Synthese-Prozess
### Schritt 1: Perspektiven-Zusammenfassung
Nach Abschluss aller 6 Perspektiven, schreibe EINEN Absatz pro Perspektive:
- Was ist die Haupterkenntnis dieser Perspektive?
- Konfidenzniveau: hoch / mittel / niedrig
- Was hat dich aus diesem Blickwinkel überrascht?
### Schritt 2: Übereinstimmungs-Map
Identifiziere, wo Perspektiven ÜBEREINSTIMMEN:
- Wenn 4+ Perspektiven in dieselbe Richtung zeigen → Erkenntnis mit hoher Konfidenz
- Wenn 3 Perspektiven übereinstimmen → moderate Konfidenz, mit Vorbehalten nennen
- Wenn nur 1–2 Perspektiven eine Behauptung stützen → nur Hypothese, als unsicher kennzeichnen
### Schritt 3: Spannungs-Map
Identifiziere, wo Perspektiven SICH WIDERSPRECHEN:
- [[technical]] sagt X aber [[economic]] sagt Y → diese Spannung IST die Erkenntnis
- Nicht durch Gewinner-Auswahl auflösen. Beide Positionen dokumentieren
- Frage: "Unter welchen Bedingungen hat jede Perspektive recht?"
- Siehe [[contradiction-protocol]] für Auflösungs-Framework
### Schritt 4: Erkenntnisse zweiter Ordnung
Die besten Erkenntnisse entstehen durch KOMBINATION von Perspektiven:
- "Die technischen Daten zeigen sinkende Fertilität, aber die wirtschaftliche
Perspektive zeigt, dass finanzielle Anreize das nirgends umgekehrt haben —
was bedeutet, dass das Argument der [[first-principles]]-Perspektive über
kulturelle Verschiebungen der dominante Faktor sein könnte"
- Diese perspektivenübergreifenden Erkenntnisse machen dieses System mächtiger
als 50 Artikel zu lesen
### Schritt 5: Konfidenz-Kalibrierung
Für jede wichtige Erkenntnis, nenne:
- BEHAUPTUNG: was du für wahr hältst
- EVIDENZ: stärkstes unterstützendes Datum (aus [[data-points]])
- KONFIDENZ: hoch / mittel / niedrig
- WAS MEINE MEINUNG ÄNDERN WÜRDE: die spezifische Evidenz,
die diese Schlussfolgerung umkehren würde
## Ausgabe-Regeln
- Nie eine Einzelperspektiven-Erkenntnis als Schlussfolgerung präsentieren
- Immer die Spannung zwischen Perspektiven zeigen
- "Was die Daten zeigen" von "was ich interpretiere" trennen
- [[open-questions]] ist genauso wichtig wie [[executive-summary]]
- Bevorzuge "Es scheint wahrscheinlich, dass X, weil Y und Z,
obwohl A das kompliziert" gegenüber "X ist wahr"
## Anti-Patterns (Dinge, die gute Recherche zerstören)
- Bestätigungsfehler: nur nach Evidenz suchen, die die anfängliche Vermutung stützt
- Narrativ-Trugschluss: aus unordentlichen, widersprüchlichen Daten
eine saubere Geschichte machen
- Aktualitäts-Bias: den neuesten Artikel über 30 Jahre Daten stellen
- Autoritäts-Bias: etwas glauben, weil eine beeindruckende Person es gesagt hat
- Anker-Effekt: die erste gefundene Zahl den mentalen Rahmen definieren lassen
contradiction-protocol.md (Wo die echten Erkenntnisse stecken)
Die meisten Recherchen begraben Widersprüche. Dieses System macht sie absichtlich sichtbar. Widersprüche sind Features, keine Bugs.
# Widerspruchs-Protokoll
Was tun, wenn Quellen oder Perspektiven sich widersprechen.
Hier stecken die echten Erkenntnisse — Widersprüche sind Features, keine Bugs.
## Wenn zwei Quellen sich widersprechen
### Schritt 1: Grundlagen prüfen
- Reden sie über dasselbe? (verschiedene Geografien, Zeiträume, Definitionen)
- Verwenden sie dieselben Daten? (gleicher Datensatz, andere Interpretation?)
- Ist eine Quelle eine höhere Stufe als die andere? (siehe [[source-evaluation]])
### Schritt 2: Wurzel der Meinungsverschiedenheit finden
Üblicherweise eines von:
- Verschiedene Daten: sie schauen auf verschiedene Datensätze
→ herausfinden, welcher vollständiger/aktueller ist
- Verschiedene Interpretation: gleiche Daten, andere Schlüsse
→ ihre Argumentationskette untersuchen
- Verschiedener Scope: einer ist global, einer länderspezifisch
→ beide könnten in ihrem Kontext recht haben
- Verschiedener Zeitrahmen: kurz- vs. langfristige Trends können gegensätzlich aussehen
- Verschiedene Anreize: einer hat Grund, die Daten zu drehen
→ Finanzierung, Zugehörigkeiten prüfen
### Schritt 3: Dokumentieren, nicht auflösen
In [[deep-dive]] schreibe es als:
"Quelle A argumentiert [X] basierend auf [Daten]. Quelle B argumentiert [Y]
basierend auf [Daten]. Die Meinungsverschiedenheit liegt wahrscheinlich an
[Ursache]. Unter Bedingungen [B1] hat vermutlich A recht.
Unter Bedingungen [B2] hat vermutlich B recht."
### Schritt 4: Zu [[open-questions]] hochstufen, wenn unlösbar
Wenn du nach ehrlicher Anstrengung nicht bestimmen kannst, wer recht hat:
- Das IST eine Erkenntnis. "Wir wissen nicht, ob X oder Y" ist wertvolle Intelligenz
- Füge es zu [[open-questions]] hinzu mit der spezifischen Evidenz,
die zur Klärung nötig wäre
- Das wird oft zum interessantesten Teil der Recherche
## Wenn zwei Perspektiven sich widersprechen
Das ist erwartet und gesund. Verschiedene Perspektiven SOLLTEN Spannung erzeugen.
## Konfidenz-Anpassung
- 2 Perspektiven stimmen überein, 1 widerspricht → die widersprechende
Perspektive tiefer untersuchen. Sie sieht vielleicht etwas, das die anderen übersehen
- Alle Perspektiven stimmen überein → sei misstrauisch.
Möglicherweise Bestätigungsfehler. Lies [[contrarian]] erneut
- Keine Perspektiven stimmen überein → deine Forschungsfrage ist möglicherweise
zu breit. Scope in [[index]] eingrenzen
Die Perspektiven-Dateien
Jede der sechs Dateien im Ordner lenses/ folgt demselben Aufbau: Kernfragen, wie durch diese Perspektive recherchieren, Ausgabeformat, Tonfall und Verknüpfungen zu anderen Perspektiven. Hier sind alle sechs Vorlagen:
technical.md – Die technisch-faktische Perspektive
Meinungen und Narrative ausblenden. Was sagen die Zahlen wirklich? Welche Mechanismen sind am Werk?
# Perspektive: Technisch
Meinungen und Narrative ausblenden.
Was sagen die Zahlen wirklich? Welche Mechanismen sind am Werk?
## Kernfragen
1. Was zeigen die DATEN? (nicht was Leute über die Daten sagen)
2. Was sind die messbaren Inputs und Outputs?
3. Welche Mechanismen treiben das Phänomen?
4. Was sind die harten Grenzen (physisch, biologisch, mathematisch)?
5. Welche Metriken sind am wichtigsten und wie werden sie gemessen?
6. Wo sind die Daten unvollständig oder schlecht gemessen?
## Wie durch diese Perspektive recherchieren
- Starte nur mit Stufe-1-Quellen (siehe [[source-evaluation]]):
Rohdatensätze, Peer-reviewed Studien
- Suche nach: Zeitreihen, geografischen Vergleichen, demografischen Aufschlüsselungen
- Quantifiziere alles. Ersetze "rückläufig" durch
"um X% zwischen Y und Z gesunken"
- Identifiziere Messprobleme: wie werden diese Daten erhoben? Was wird ausgeschlossen?
- Finde die Basisraten. Was ist "normal"? Was ist der historische Bereich?
## Ausgabeformat
Für jede Erkenntnis:
- METRIK: [was du gemessen hast]
- WERT: [die Zahl]
- QUELLE: [Stufe-1- oder 2-Quelle mit Datum]
- TREND: [Richtung und Änderungsrate]
- VORBEHALT: [Messbeschränkungen]
Dokumentiere alle harten Zahlen in [[data-points]].
## Tonfall
Klinisch. Präzise. Keine emotionale Sprache.
"Fertilitätsrate sank von 2,1 auf 1,6" nicht "Fertilität bricht zusammen."
Lass die Zahlen sprechen.
## Verknüpfungen
- [[source-evaluation]] — nur hochstufige Quellen für diese Perspektive
- [[data-points]] — alle Zahlen kommen hierhin
- [[economic]] — technische Daten erklären oft wirtschaftliche Ergebnisse
- [[first-principles]] — technische Grenzen definieren, was möglich ist
economic.md – Die wirtschaftliche Perspektive
Folge dem Geld. Wer zahlt, wer profitiert – und welche Anreize treiben Verhalten?
# Perspektive: Wirtschaftlich
Folge dem Geld. Wer zahlt, wer profitiert, welche Märkte bewegen sich,
welche Anreize treiben Verhalten?
## Kernfragen
1. Wer zahlt, wer profitiert?
2. Welche Anreize treiben das aktuelle Verhalten?
3. Welche Politiken wurden versucht und was war der ROI?
4. Welche Marktdynamiken sind relevant?
5. Gibt es ein Geschäftsmodell, das den Status quo begünstigt?
## Wie durch diese Perspektive recherchieren
- Identifiziere die Geldströme hinter dem Thema
- Hinterfrage, wer Studien oder Berichte finanziert hat
- Suche nach versteckten Kosten und Externalitäten
- Analysiere Anreizstrukturen: Warum verhalten sich Akteure so, wie sie es tun?
## Ausgabeformat
- Stakeholder-Analyse (Gewinner / Verlierer)
- Kosten-Nutzen-Übersicht
- Anreiz-Mapping
- Quellenbewertung nach [[source-evaluation]]
## Tonfall
Analytisch. Folge den Anreizen, nicht den Absichtserklärungen.
## Verknüpfungen
- [[technical]] — stimmen die wirtschaftlichen Annahmen mit den Daten überein?
- [[geopolitical]] — welche internationalen Wirtschaftsinteressen spielen rein?
- [[contrarian]] — wer profitiert davon, das aktuelle Narrativ aufrechtzuerhalten?
historical.md – Die historische Perspektive
Welche Muster wiederholen sich? Was wurde schon versucht? Welchen Kontext vergisst jeder?
# Perspektive: Historisch
Welche Muster wiederholen sich? Was wurde schon versucht?
Welchen Kontext vergisst jeder?
## Kernfragen
1. Wann ist das schon einmal passiert?
2. Welche Bedingungen herrschten damals?
3. Was wurde versucht und mit welchem Ergebnis?
4. Welche historischen Muster wiederholen sich?
5. Welche Lehren wurden gezogen (oder ignoriert)?
## Wie durch diese Perspektive recherchieren
- Suche nach konkreten historischen Parallelen (nicht nur vagen Ähnlichkeiten)
- Berücksichtige den Kontext: Was war damals anders?
- Vorsicht vor dem Survivorship Bias — gescheiterte Versuche
werden selten dokumentiert
- Langfristige Trends über kurzfristige Schwankungen stellen
## Ausgabeformat
- Zeitleiste relevanter historischer Ereignisse
- Vergleichstabelle: Damals vs. Heute
- Muster-Analyse: Was wiederholt sich?
- Quellenbewertung nach [[source-evaluation]]
## Tonfall
Kontextuell. Geduldig. Geschichte spricht für sich, wenn man genug davon betrachtet.
## Verknüpfungen
- [[first-principles]] — gelten die damaligen Grundannahmen noch?
- [[economic]] — haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändert?
- [[geopolitical]] — welche historischen Konflikte wirken nach?
geopolitical.md – Die geopolitische Perspektive
Vom Schreibtisch auf die Weltkarte: Welche internationalen Dynamiken beeinflussen das Thema?
# Perspektive: Geopolitisch
Welche Länder, welche Machtdynamiken, welche Allianzen und Konflikte
prägen dieses Thema?
## Kernfragen
1. Welche Länder oder Regionen sind am stärksten betroffen?
2. Welche Machtverschiebungen sind relevant?
3. Welche Allianzen und Konflikte prägen die Entwicklung?
4. Wie unterscheiden sich die Ansätze verschiedener Länder?
5. Gibt es internationale Abkommen oder Regulierungen?
## Wie durch diese Perspektive recherchieren
- Betrachte das Thema aus mindestens 3 verschiedenen regionalen Blickwinkeln
- Berücksichtige kulturelle Unterschiede in der Wahrnehmung
- Identifiziere geopolitische Interessen hinter offiziellen Positionen
- Prüfe, welche Machtstrukturen den Status quo aufrechterhalten
## Ausgabeformat
- Ländervergleich (Tabelle)
- Analyse der wichtigsten geopolitischen Akteure
- Macht- und Einfluss-Mapping
- Quellenbewertung nach [[source-evaluation]]
## Tonfall
Strategisch. Realistisch. Macht und Interessen vor Idealen.
## Verknüpfungen
- [[economic]] — welche Handelsbeziehungen spielen rein?
- [[historical]] — welche historischen Konflikte wirken nach?
- [[contrarian]] — wessen geopolitische Interessen werden im Mainstream übersehen?
contrarian.md – Die Gegenposition
Was, wenn der Konsens falsch liegt? Wer profitiert vom aktuellen Narrativ? Was sagt niemand?
# Perspektive: Contrarian (Gegenposition)
Was, wenn der Konsens falsch liegt? Wer profitiert vom aktuellen Narrativ?
Was sagt niemand?
## Kernfragen
1. Was ist der aktuelle Konsens — und warum könnte er falsch sein?
2. Wer profitiert davon, dass alle in eine Richtung denken?
3. Welche Gegenbelege werden ignoriert oder heruntergespielt?
4. Welche Annahmen werden als "selbstverständlich" behandelt,
ohne hinterfragt zu werden?
5. Was würde sich ändern, wenn die Gegenposition stimmt?
## Wie durch diese Perspektive recherchieren
- Suche aktiv nach Stimmen, die dem Mainstream widersprechen
- Prüfe, ob Gegenargumente aus sachlichen oder ideologischen
Gründen abgelehnt werden
- Unterscheide zwischen berechtigter Skepsis und Verschwörungstheorien
- Frage: "Was müsste wahr sein, damit die Gegenposition stimmt?"
## Ausgabeformat
- Konsens vs. Gegenposition (Tabelle)
- Stärke der Gegenargumente (mit Quellenangabe)
- Bedingungen, unter denen die Gegenposition zutreffen würde
- Quellenbewertung nach [[source-evaluation]]
## Tonfall
Skeptisch. Intellektuell ehrlich. Nicht zynisch —
genuines Hinterfragen, kein Profilieren.
## Verknüpfungen
- [[technical]] — stützen die Daten den Konsens oder die Gegenposition?
- [[first-principles]] — was sagen die Grundwahrheiten?
- [[economic]] — wer hat finanziell Interesse am Konsens?
first-principles.md – Die Grundsatz-Perspektive
Vergiss alles, was du zu wissen glaubst. Nur aus Grundwahrheiten heraus neu aufbauen.
# Perspektive: First Principles (Grundsätze)
Vergiss alles, was du zu wissen glaubst.
Nur aus Grundwahrheiten heraus neu aufbauen.
## Kernfragen
1. Was sind die unbestreitbaren Grundwahrheiten in diesem Bereich?
2. Welche Annahmen lassen sich auf diese Grundwahrheiten zurückführen
— und welche nicht?
3. Wenn man komplett von Null anfängt: zu welchem Schluss kommt man?
4. Welche "Wahrheiten" sind eigentlich nur Konventionen?
5. Was würde Elon Musk / ein Alien / ein Kind dazu fragen?
## Wie durch diese Perspektive recherchieren
- Zerlege komplexe Aussagen in ihre Einzelteile
- Frage bei jeder Annahme: "Ist das wirklich so — oder glauben wir das nur?"
- Suche nach den einfachsten, grundlegendsten Erklärungen
- Ignoriere bewusst "so haben wir es immer gemacht"
## Ausgabeformat
- Liste der identifizierten Grundwahrheiten
- Ableitung: Was folgt logisch daraus?
- Vergleich: Wo weicht die Realität von den Grundwahrheiten ab?
- Überraschungsmomente: Was ergibt sich, das niemand erwartet?
- Quellenbewertung nach [[source-evaluation]]
## Tonfall
Neugierig. Respektlos gegenüber Konventionen. Respektvoll gegenüber Logik.
## Verknüpfungen
- [[technical]] — bestätigen die Daten die Grundannahmen?
- [[historical]] — haben sich die Grundwahrheiten über die Zeit verändert?
- [[contrarian]] — welche Grundannahmen hinterfragt die Gegenposition?
Die Hilfs-Dateien
source-template.md – Vorlage für Quellennotizen
Für jede wichtige Quelle legst du eine eigene Notiz an. So behältst du den Überblick und kannst die Qualität systematisch beurteilen.
# Quellennotiz: [Titel]
## Metadaten
- Titel: [Titel der Quelle]
- Autor/Organisation: [Wer hat es veröffentlicht?]
- Datum: [Wann veröffentlicht?]
- URL: [Link]
- Quellentyp: [Studie / Bericht / Artikel / ...]
- Bewertungsstufe: [1–5, nach [[source-evaluation]]]
## Kernaussagen
- [Wichtigste Aussage 1]
- [Wichtigste Aussage 2]
- [Wichtigste Aussage 3]
## Relevanz für die Forschungsfrage
[Wie hilft diese Quelle bei der Beantwortung?]
## Harte Daten (übertrage nach [[data-points]])
- [Metrik]: [Wert] ([Jahr])
## Einschränkungen
[Mögliche Verzerrungen, fehlende Daten, Interessenkonflikte]
## Verbindungen
- Bestätigt: [[source-...]]
- Widerspricht: [[source-...]]
- Erwähnt in Perspektive: [[technical]] / [[economic]] / ...
concepts.md – Gesammelte Konzepte
Schlüsselbegriffe, Definitionen und mentale Modelle, die während der Recherche gesammelt werden.
# Konzepte-Sammlung
Schlüsselbegriffe, Definitionen, mentale Modelle relevant für die Recherche.
## Vorlage
### [Konzeptname]
- Definition: [Kurze, klare Definition]
- Relevanz: [Warum ist das wichtig für die Forschungsfrage?]
- Erstmals aufgetaucht in: [Welche Perspektive/Quelle?]
- Verknüpfte Konzepte: [[...]]
- Quellen: [[source-...]]
data-points.md – Wichtige Datenpunkte
Harte Zahlen, Statistiken und Metriken, gesammelt während der Recherche. Immer mit Quellenangabe.
# Datenpunkte-Sammlung
Harte Zahlen, Statistiken, Metriken gesammelt während der Recherche.
Immer mit Quellenangabe.
## Vorlage
| Metrik | Wert | Quelle | Stufe | Trend | Jahr | Kontext |
|--------|------|--------|-------|-------|------|---------|
| [Was?] | [Zahl] | [[source-...]] | [1–5] | [↑↓→] | [Wann?] | [Wofür relevant?] |
## Regeln
- Nur verifizierte Datenpunkte eintragen (mindestens Quellenstufe 3)
- Bei widersprüchlichen Daten: beide Werte mit Quellen dokumentieren
- Regelmäßig prüfen, ob Datenpunkte noch aktuell sind
- Immer den Kontext notieren — eine Zahl ohne Kontext ist nutzlos
research-log.md – Das Recherche-Tagebuch
Hier dokumentierst du jede abgeschlossene Recherche. So baut sich über die Zeit ein wertvolles Archiv auf – und die KI kann bei zukünftigen Recherchen auf vergangene Ergebnisse zurückgreifen.
# Recherche-Tagebuch
Dokumentation aller durchgeführten Recherchen.
Prüfe hier zuerst, ob es bereits relevante Vorarbeit gibt.
## Vorlage für einen Eintrag
### [Datum] — [Thema]
- Forschungsfrage: [Deine Frage]
- Framework verwendet: [Typ 1/2/3/4 aus [[research-frameworks]]]
- Tiefenstufe: [Quick Scan / Standard / Deep Dive]
- Wichtigste Erkenntnis: [1–2 Sätze]
- Überraschendste Entdeckung: [Was hast du nicht erwartet?]
- Stärkster Widerspruch: [Zwischen welchen Perspektiven?]
- Offene Fragen: [Was ist noch ungeklärt?]
- Qualität der Quellen: [Durchschnittliche Stufe 1–5]
- Output-Dateien: [[executive-summary]], [[deep-dive]]
Drei Wege, das System zu nutzen
Je nachdem, mit welchen Tools du arbeitest, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, den Research Skill Graph einzusetzen:
Weg 1: Claude Projects (empfohlen für den Einstieg)
Erstelle ein neues Projekt in Claude, lade alle Dateien aus deinem Ordner hoch und stelle dann deine Forschungsfrage. Schreibe dazu: "Folge den Anweisungen in index.md." Claude wird die Dateien lesen, die Verknüpfungen verfolgen und dein Thema systematisch durcharbeiten.
Weg 2: Copy & Paste in jeden Chat
Wenn du kein Claude-Projekt nutzen möchtest, kannst du den Inhalt der index.md und der relevanten Perspektiven-Dateien einfach in einen neuen Chat kopieren. Weniger elegant, funktioniert aber.
Weg 3: Claude Code + Obsidian (für Fortgeschrittene)
Die leistungsfähigste Variante: Der KI-Agent liest und schreibt Dateien direkt in deinem Obsidian-Vault. So entsteht ein System, das sich selbst weiterentwickelt und über mehrere Projekte hinweg immer klüger wird.
Bonus-Tipp: Obsidian zur Visualisierung
Öffne den Ordner als Vault in Obsidian und aktiviere die Graph-Ansicht. Du siehst sofort, wie alle Dateien miteinander verknüpft sind – ein faszinierendes Bild deines eigenen Forschungs-Ökosystems.
Unsere Erfahrungen aus der Praxis
Wir nutzen den Research Skill Graph inzwischen regelmäßig – unter anderem für Social-Media-Trendanalysen, Zielgruppen-Recherchen und Wettbewerbsanalysen. Hier sind unsere wichtigsten Erkenntnisse:
- Die Contrarian-Perspektive ist Gold wert: Sie deckt Annahmen auf, die man unbewusst für wahr hält. Allein dafür lohnt sich das System.
- Widersprüche sind keine Fehler: Am Anfang waren wir irritiert, wenn zwei Perspektiven komplett gegensätzliche Ergebnisse lieferten. Inzwischen wissen wir: Genau dort entsteht echtes Verständnis.
- Das System wird besser über die Zeit: Je mehr Recherchen du durchführst und im knowledge-Ordner dokumentierst, desto wertvoller wird dein Archiv.
- Weniger ist mehr beim Start: Du musst nicht alle Dateien perfekt ausfüllen. Starte mit der index.md und den sechs Perspektiven. Den Rest kannst du iterativ ergänzen.
In einer Stunde zum eigenen Research-System
Hier ist dein konkreter Plan – in sechs Schritten zum fertigen System:
- 5 Minuten: Ordnerstruktur anlegen und leere Dateien erstellen.
- 15 Minuten: Die index.md ausfüllen – deine Forschungsfrage und die Arbeitsanweisungen formulieren.
- 20 Minuten: Die sechs Perspektiven-Dateien mit den zentralen Fragen befüllen (nutze unser Beispiel oben als Vorlage).
- 10 Minuten: Die Methodik-Dateien mit deinen Grundregeln versehen.
- 5 Minuten: Alles in ein neues Claude-Projekt hochladen.
- 5 Minuten: Dein erstes Thema recherchieren und staunen.
Danach: Passe das System an deine Bedürfnisse an. Ergänze Perspektiven, verfeinere die Quellenbewertung, erweitere das Wissensarchiv. Das System wächst mit dir.
Fazit: Struktur schlägt Intelligenz
Der Research Skill Graph zeigt eine wichtige Wahrheit über die Arbeit mit KI: Es geht nicht darum, den "perfekten Prompt" zu finden. Es geht darum, der KI ein System zu geben, in dem sie ihr Potenzial entfalten kann.
Ein Ordner mit 20 durchdachten Textdateien verwandelt einen einzelnen KI-Agenten in etwas, das einer echten Research-Abteilung deutlich näher kommt als alles, was ein einzelner Prompt je leisten könnte.
Probier es aus. Du brauchst dafür weder technisches Vorwissen noch teure Software. Nur einen Ordner, ein paar Textdateien und die Bereitschaft, KI-Recherche von Grund auf anders zu denken.
