Es gibt Wochen, in denen bei Apple ein neues Zubehörkabel die größte Neuigkeit ist. Und dann gibt es diesen September. Innerhalb von neun Tagen passiert bei der wertvollsten Firma der Welt zweierlei, das so noch nie gleichzeitig passiert ist: Morgen, am 1. September, wechselt zum ersten Mal seit fünfzehn Jahren der Chef. Und am 9. September steht ein Gerät auf der Bühne, an dem Apple angeblich seit fast einem Jahrzehnt herumtüftelt, ein iPhone, das man aufklappen kann.
Das eine ist eine Personalie, das andere ein Produkt. Zusammen ergeben sie aber eine ziemlich gute Geschichte darüber, wohin sich der Konzern bewegt. Und weil wir hier in Österreich sitzen, gibt es noch eine dritte Ebene: Ein zentrales Feature dieses Herbstes wird auf unseren iPhones schlicht nicht auftauchen.
Der 1. September: Tim Cook macht Platz
Apple hat es im April offiziell angekündigt: Tim Cook gibt den CEO-Posten ab und wird Executive Chairman des Verwaltungsrats. Sein Nachfolger ist John Ternus, bisher Senior Vice President für Hardware Engineering. Wirksam wird das mit 1. September 2026, also morgen.
Ein bisschen Einordnung: Cook hat Apple im August 2011 von Steve Jobs übernommen, damals unter denkbar schwierigen Vorzeichen. In seinen fünfzehn Jahren sind Apple Watch, AirPods, HomePod, Vision Pro, Apple Music und die gesamte Services-Sparte entstanden, und Apple ist mehrfach zum wertvollsten Unternehmen der Welt geworden. Laut MacRumors übergibt er in einer wirtschaftlich starken Phase, mit mehreren Rekordquartalen in Folge.
Interessant ist der Typwechsel. Cook galt immer als der Mann für Lieferketten, Verhandlungen und Effizienz, ein Operations-Genie mit Konsens-Führungsstil. Ternus ist 50, seit 2001 im Haus und kommt aus der Hardware-Entwicklung. Er ist der Typ, der auf der Bühne ein MacBook aufklappt und über Scharniere spricht, weil er weiß, wie sie funktionieren. Berichten zufolge traut man ihm intern einen deutlich entscheidungsfreudigeren Stil zu.
Ob daraus wirklich ein anderes Apple wird, ist offen. Ein Konzern mit dieser Größe dreht sich nicht in einem Quartal. Aber es ist kein Zufall, dass sein erster großer Auftritt als CEO ausgerechnet ein Event ist, bei dem Apple eine neue Produktkategorie eröffnet.
"Surprise and shine": Was am 9. September auf der Bühne steht
Am 26. August hat Apple die Einladungen verschickt. Das Event findet am Mittwoch, dem 9. September, um 10 Uhr pazifischer Zeit statt, bei uns also um 19 Uhr. Der Slogan lautet "Surprise and shine", das Motiv zeigt ein leuchtendes Apple-Logo mit durchscheinender Sonne. Wie üblich wird die Präsentation vorproduziert sein und auf apple.com, YouTube und in der Apple-TV-App laufen (9to5Mac).
Was erwartet wird, hat MacRumors in sechs Punkten zusammengefasst. Ein Hinweis vorweg, der leider immer nötig ist: Alles, was nicht direkt von Apple kommt, sind Gerüchte aus der Zulieferkette und von Leakern. Vieles davon trifft erfahrungsgemäß zu, manches eben nicht.
iPhone 18 Pro und iPhone 18 Pro Max
Die Pro-Modelle bleiben äußerlich weitgehend, wie sie sind. Die spannenden Änderungen stecken innen: der neue A20-Pro-Chip, eine kleinere Dynamic Island, ein vereinfachter Camera-Control-Button und Apples eigenes C2-Mobilfunkmodem. Dazu kommt eine Hauptkamera mit variabler Blende, die dieses Jahr möglicherweise dem Pro Max vorbehalten bleibt. Als Farben kursieren Dark Cherry, Schwarz, Silber und Hellblau.
Ein Leaker auf Weibo nennt für den A20 Pro rund 18 Prozent mehr Tempo und bis zu 30 Prozent bessere Effizienz gegenüber dem A19 Pro. Klingt solide, ist aber genau die Art von Zahl, die man erst nach unabhängigen Tests ernst nehmen sollte.
Bemerkenswert ist eher, was fehlt: Ein normales iPhone 18 gibt es diesen Herbst nicht. Apple teilt seinen iPhone-Zyklus auf, iPhone 18, iPhone 18e und iPhone Air 2 folgen laut Berichten erst im Frühjahr 2027. Wer also auf das günstigere Modell wartet, wartet heuer vergeblich.
iPhone Ultra: das erste Falt-iPhone
Der eigentliche Hauptdarsteller ist das faltbare iPhone, das nach aktuellem Stand iPhone Ultra heißen soll. Erwartet wird ein Book-Style-Design, also ein Gerät, das sich wie ein Buch aufklappt: außen ein Display von etwa 5,3 bis 5,5 Zoll, innen eines mit rund 7,6 bis 7,8 Zoll. Dazu ein Titanrahmen, ein extrem dünnes Gehäuse und ein Innendisplay, das praktisch ohne sichtbare Falte auskommen soll.
Statt Face ID soll Touch ID im Einschaltknopf stecken, hinten zwei Kameras, vorne eine. iOS 27 wird laut Gerüchten eigens für das Format angepasst, mit Apps nebeneinander und iPad-artigem Multitasking.
Und der Preis? Die meisten Schätzungen liegen bei rund 1.999 US-Dollar, einzelne Berichte nennen für größere Konfigurationen bis zu 2.500 Dollar. Rechnet man Umsatzsteuer und die übliche Europa-Aufschlagsdynamik dazu, landet man in Österreich vermutlich klar jenseits der 2.000-Euro-Marke. Das ist dann kein Telefon mehr, das ist eine Anschaffung mit Finanzierungsgespräch. Dazu passt, dass die Stückzahlen zum Start angeblich sehr limitiert sein sollen.
Ehrlich gesagt: Genau hier wird es spannend. Samsung verkauft seit sieben Jahren Falt-Handys, Google auch. Apple kommt als Letzter und muss deshalb liefern, was die anderen bisher nicht ganz geschafft haben, nämlich ein Gerät, das man nicht trotz, sondern wegen des Scharniers kauft. Ein fast unsichtbarer Falz und ein Titangehäuse wären ein Anfang. Der Verzicht auf Face ID und auf ein Teleobjektiv wirkt bei diesem Preis dagegen wie ein Kompromiss, den man Apple sonst um die Ohren hauen würde.
Uhren, Kopfhörer und der Rest
Erwartet werden außerdem eine Apple Watch Series 12 mit schnellerem Chip, besserer Akkulaufzeit, Fitness-Verbesserungen und einer möglichen Keramik-Variante, eine Apple Watch Ultra 4 mit erweiterten Satelliten-Funktionen (unter anderem Karten und Fotos per Satellit) sowie zwei neue AirPods-5-Modelle, eines mit und eines ohne aktive Geräuschunterdrückung.
Nicht auf der Bühne, aber schon da: Mac mini und Mac Studio hat Apple bereits am 25. August angekündigt, mit M6 beziehungsweise M5 Max und M5 Ultra, ausgeliefert wird ab 22. September. Eine August-Ankündigung ist bei Apple extrem selten, die letzte nennenswerte gab es 2020. Man kann das als Zufall lesen oder als kleines Signal, dass unter neuer Führung nicht mehr alles auf die große Keynote gestapelt wird.
Ach ja, und die Vorbestellungen für die neuen iPhones starten laut einem Bericht möglicherweise erst am Samstag, dem 12. September, also einen Tag später als sonst üblich.
Der Elefant im Raum: Siri AI kommt nicht zu uns
Jetzt der Teil, der für alle in Österreich relevanter ist als jedes Scharnier.
Das große Software-Thema dieses Herbstes heißt Siri AI, die komplett überarbeitete Sprachassistenz in iOS 27. Und die kommt in der Europäischen Union zum Start nicht. Apple hat das im Juni selbst im Newsroom bestätigt und den Digital Markets Act als Grund genannt. Man arbeite weiter daran, es gebe aber keinen Zeitplan.
Konkret fehlen EU-Nutzerinnen und -Nutzern auf iPhone und iPad unter anderem die neue Siri-App zum Nachlesen von Konversationen, die erweiterte Visual Intelligence, die integrierten Schreibwerkzeuge und der Siri-Modus in der Kamera. Weil Siri AI auf der Apple Watch ein gekoppeltes iPhone mit Siri AI voraussetzt, fällt es auf watchOS 27 gleich mit weg. Auf macOS 27 und visionOS 27 soll es dagegen auch in der EU verfügbar sein.
Man kann das aus zwei Richtungen betrachten, und beide haben etwas für sich. Aus Apples Sicht verlangt der DMA eine Öffnung für konkurrierende Assistenten, die sich mit dem eigenen Datenschutzversprechen nicht sauber vereinbaren lässt. Aus Sicht der Kommission ist ein Konzern, der eine derart mächtige Funktion tief ins Betriebssystem baut und Dritten den gleichwertigen Zugang verwehrt, genau der Fall, für den der DMA geschrieben wurde. Berichten zufolge hat Brüssel in den vergangenen Monaten keinen von Apples Lösungsvorschlägen akzeptiert.
Das Ergebnis ist trotzdem unbefriedigend: Wer sich hier ein iPhone 18 Pro kauft, bekommt Hardware auf Weltniveau und Software zweiter Klasse. Wir haben das Siri-AI-Paradoxon im Juni schon einmal ausführlich aufgedröselt, und seither hat sich daran wenig geändert außer der Versionsnummer.
Und was heißt das für Websites?
Kurzer Schwenk in die Praxis, weil das der Teil ist, der uns beruflich betrifft. Ein Falt-iPhone mit einem Innendisplay von rund 7,7 Zoll und einem eher quadratischen Seitenverhältnis ist für Websites eine neue Situation. Bisher denken die meisten Layouts in drei Schubladen: Handy, Tablet, Desktop. Ein aufgeklapptes Falt-Handy passt in keine davon sauber hinein, und dazu kommt, dass sich das Format im laufenden Betrieb ändern kann, wenn jemand mitten im Lesen zuklappt.
Wenn Apple diese Kategorie in den Massenmarkt bringt, und davon ist bei aller Preisdiskussion auszugehen, wird aus einem Nischenthema in ein bis zwei Jahren ein ganz normaler Testfall. Die gute Nachricht: Wer sauber und flexibel gebaut hat, statt auf drei fixe Breakpoints zu optimieren, muss wenig ändern. Wer seine Seite auf exakt 390 Pixel Breite hingebogen hat, wird sich umschauen.
Ein guter Anlass also, die eigene Website in den nächsten Monaten einmal bei ungewöhnlichen Fenstergrößen anzuschauen. Nicht, weil morgen alle mit Falt-Handys herumlaufen, sondern weil solche Änderungen leiser kommen, als man denkt.
Fazit: viel Show, ein paar echte Fragen
Der 9. September wird ein gutes Event, das steht ziemlich fest. Ein Falt-iPhone ist die erste wirklich neue iPhone-Bauform seit Jahren, und der erste Auftritt eines neuen CEOs hat immer einen gewissen Reiz.
Die interessanteren Fragen liegen aber daneben. Ob Ternus tatsächlich mehr Risiko wagt als sein Vorgänger, wird man frühestens in zwei Produktzyklen beurteilen können, nicht an einer Keynote. Ob ein Telefon für 2.000 Euro und mehr in einer Zeit steigender Preise ein Massenprodukt wird, ist offen. Und ob Apple und die EU sich bei Siri AI jemals einigen, ist derzeit schlicht nicht absehbar.
Unsere Empfehlung, ganz unaufgeregt: anschauen, sich freuen, und dann nüchtern prüfen, ob das aktuelle Gerät nicht ohnehin noch alles kann, was man braucht. Die spannendste Frage bei Technik ist selten, was neu ist, sondern was einem wirklich abgeht.
Und falls du dich fragst, ob deine Website auf einem aufgeklappten Falt-Handy noch gut ausschaut: Melde dich einfach, wir schauen uns das gerne an.
Quellen
- Apple Newsroom: Tim Cook to become Apple Executive Chairman, John Ternus to become Apple CEO (April 2026)
- MacRumors: September 1 to Mark the End of an Era at Apple (29. August 2026)
- 9to5Mac: Apple announces iPhone 18 Pro and foldable iPhone Ultra event: "Surprise and shine" (26. August 2026)
- MacRumors: Apple Event: Six New Products to Expect on September 9 (27. August 2026)
- MacRumors: iPhone 18 Pro Pre-Orders May Start at an Unusual Time (28. August 2026)
- MacRumors: Apple Just Made an Extremely Rare Product Announcement (27. August 2026)
- Apple Newsroom: Due to DMA, Siri AI delayed in EU for iOS 27 and iPadOS 27 (Juni 2026)
